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Bigirwenkya Hanifa: Eine Schneiderei im Wohnzimmer

Hanifa braucht nicht viel Platz für ihre Arbeit. Ein kleiner Tisch am Fenster ihres Wohnzimmers reicht ihr vollkommen. Zusammen mit ihrer fünfköpfigen Familie wohnt sie in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in einem Vorort der ugandischen Hauptstadt Kampala. Die wenigen Quadratmeter müssen daher sorgsam eingeteilt werden. Auf dem Tisch steht ihr wichtigstes Arbeitsgerät: eine mechanisch betriebene Nähmaschine, die trotz ihres beachtlichen Alters noch immer tadellos funktioniert.

Hanifa ist Schneiderin und seit vielen Jahren Kreditnehmerin bei Opportunity. Ihr erster Kredit betrug umgerechnet gerade einmal hundert-zwanzig Schweizer Franken. Er half Hanifa ihren Kundenkreis zu erweitern. Zuvor verkaufte sie fast ausschliesslich Schuluniformen für Kinder in den umliegenden Schulen. Den Stoff dafür konnte sie günstig einkaufen, doch war der Gewinn eher gering, weil die meisten Kunden selbst nicht viel Geld zur Verfügung hatten. Der Kredit von Opportunity ermöglichte es ihr schliesslich, exklusiveren Stoff zu kaufen, den sie zum Schneidern von traditionellen afrikanischen Kleidern verwenden konnte.

Gemäss der Tradition schafft sich jede ugandische Frau früher oder später ein besonderes Kleid an, das sie zu aussergewöhnlichen Anlässen wie Hochzeiten und Familienfesten trägt. Es soll einmalig sein und nach eigenen Wünschen hinsichtlich Stoff, Farbe und Schnitt angefertigt sein. Dafür sind die Frauen auch bereit, einen guten Preis zu zahlen. Hanifa erkannte, dass es ein lukratives Geschäft sein würde, zumal nur wenige Schneiderinnen die erforderlichen Fähigkeiten für die anspruchsvolle Arbeit bieten konnten.

Die Erweiterung ihres Sortiments hat sich für Hanifa gelohnt. Mittlerweile hat sie bereits ihren siebten Geschäftskredit aufgenommen. Hanifa ist seit Jahren in einer Kreditnehmergruppe von fünf Personen. Da alle Mitglieder aus derselben Nachbarschaft kommen, kennen sie sich gut. Die Gruppe trifft sich jeden Dienstag mit der Kreditbetreuerin Prossy von Opportunity, um zusammen mit ihr die Tilgung der Kredite abzuwickeln, weitere Kreditmöglichkeiten zu besprechen und potentielle Probleme auszuräumen.

Hanifa hat zwei Töchter und einen Sohn. Die älteste Tochter geht seit einem Jahr zur Universität in Kampala. Um die Studiengebühren von etwa 360 Schweizer Franken pro Semester bezahlen zu können, nahm Hanifa bei Opportunity einen Studienkredit auf. Diese besondere Form der Bildungsförderung bietet Opportunity jedem Kreditnehmer, der zuvor mindestens sechs Monate Kunde war und in dieser Zeit zuverlässig die Raten seines Geschäftskredits getilgt hat. Er kann auch in Anspruch genommen werden, um sich mögliche Schulgebühren für die Kinder leisten zu können. Da das öffentliche Schulsystem in Uganda völlig unzureichend ist und nicht genügend Platz für alle Kinder bietet, gibt es viele privat betriebene Schulen, die kostenpflichtig sind. Durch Bildungskredite von Opportunity erhalten viele arme Kinder Zugang zu besserer Bildung.

Hanifas Schneiderei soll weiter wachsen! Deswegen plant sie demnächst einen Individualkredit aufzunehmen, der ihr neben grösserer Flexibilität auch höhere Kreditbeträge und längere Laufzeiten garantiert. Vielleicht kann sie dann schon bald eigene Geschäftsräume für ihre Schneiderei anmieten, damit mehr Platz in der eigenen Wohnung bleibt.