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George Kistler: Interessante Eindrücke von den Philippinen

Gemeinsam mit sieben weiteren Teilnehmern war George Kistler vom 23. - 30. Oktober bei einem Insight-Trip auf den Philippinen. Auf dieser spannenden Reise hat die achtköpfige Gruppe hautnah miterlebt, mit welchen Herausforderungen die Menschen zu kämpfen haben. George Kistler hat auf der Reise unter anderem die Trustbank „San Andres", benannt nach dem gleichnamigen Dorf, besucht. In diesem leben 400 Familien, insgesamt ein kleines Dorf von 2'000 Leuten. San Andres liegt etwa vier Autostunden von Manila in nördlicher Richtung. Hier hat Kistler an einem der wöchentlichen Treffen der Kreditnehmergruppe teilgenommen.

Gruppenbild Trustbank San Andres
Gruppenbild der Trustbankmitglieder "San Andres"
und der Teilnehmer des Insight Trips 

Opportunitys Partnerorganisation stellt den Menschen Gruppen-Mikrokredite und Landwirtschaftskredite zur Verfügung. Kredite für Hausreparaturen und höhere Individualkredite können bei erfolgreicher Entwicklung folgen. Bei einem der Gruppentreffen hat Kistler gesehen, wie wichtig die Integration in eine Gruppe für die Frauen und Männer ist. Er erzählt, dass die Gruppe bei jedem Treffen zunächst einmal gemeinsam betet und singt, bevor alle Teilnehmer in die Präsenzlisten eingetragen werden. Anschliessend besprechen die Frauen und Männer die Entwicklung ihrer Geschäftsaktivitäten. Sie tauschen sich darüber aus, was gut läuft, wo es Probleme gibt, was sie beschäftigt. Dabei, so Kistler, werde viel gelacht, aber auch ernsthaft und angeregt diskutiert. Der Zusammenhalt in der Gruppe liege den Teilnehmern besonders am Herzen, stellte George Kistler fest. Wichtig sind für die Teilnehmer auch die begleitenden Schulungen. Sie nehmen an betriebswirtschaftlichen Kursen, wie Buchhaltung, Umgang mit Geld, Führung des Geschäfts, Kundenbetreuung und Entwicklung von Führungsqualitäten teil. Aber auch Schulungen zu sozialen und alltäglichen Fragen wie Kindererziehung, Familienplanung, Hygiene, Gesundheit, häusliche Gewalt und vieles mehr werden angeboten. Am Ende jeder Sitzung erfolgt dann die Kreditrückzahlung.

Juanita Gregorio
Juanita Gregorio

Das Trustbank-Mitglied Juanita Gregorio erzählt: „Wir helfen einander, wir sind echte Freunde, wie eine grosse Familie." Das Vertrauen zwischen den Gruppenmitgliedern macht ihnen Mut. Alle stehen füreinander ein und bürgen füreinander, sollte ein Mitglied aus Krankheitsgründen eine Rückzahlung einmal nicht leisten können.

Emily Aguilar meint dazu: „Ich kann meine Meinung offen sagen, meine Probleme und Gefühle mitteilen, weil wir einander gut kennen und uns gegenseitig unterstützen." Die Gruppe erreicht damit, was der Einzelne nicht schafft. Die Möglichkeit, eine Lebens- und Gesundheitsversicherung abzuschliessen, trägt mit Sicherheit zur Stärkung der Bevölkerung und zur Dorfentwicklung bei. Ein Mitglied der Trustbank sagt: „Wir sind Freunde und haben Freude". Dies, so Kistler, sei in Anbetracht der Armut und der täglichen Mühen der Menschen eine äusserst beeindruckende Aussage!

Auf dieser Reise mussten die Teilnehmer jedoch auch miterleben, wie vielen Menschen ihre Existenz genommen wurde. Kurz vor ihrem Besuch auf den Philippinen wütete der Taifun Megi und verursachte erhebliche Schäden.  Er ist am 18.Oktober 2010 mit Stürmen und heftigen Regenschauern durch das Land gezogen und hat mindestens 36 Menschen das Leben gekostet. Er richtete Schäden von umgerechnet etwa CHF 99'592'400 an. Jedes Jahr werden die Philippinen von durchschnittlich 20 Taifunen getroffen. Megi war nach Angaben der Experten der stärkste Taifun auf den Philippinen seit dem Jahr 2006.

Was dieser Taifun für die Bevölkerung bedeutet hat, haben George Kistler und die anderen Teilnehmer des Insight-Trips in der Woche nach dem Sturm hautnah gesehen: Viele Zugangsstrassen waren zerstört und auch die Telekommunikation ist komplett zusammengebrochen. Opportunitys Partnerorganisation auf den Philippinen, ASKI, schätzt, dass mindestens 4'000 Kleinbauern einen Grossteil ihrer hart erwirtschafteten Ernte verloren haben und somit auch ihren Lebensunterhalt.
In Calancuasan Norte in der Provinz Nueva Ecija sind insgesamt 32 Familien Oper von den verheerenden Verwüstungen des Taifuns geworden. Diese Menschen haben mindestens 70 Prozent ihrer Reisernte verloren.

Estelita LagmayEine von ihnen ist die Kleinbäuerin Estelita Lagmay. Sie besitzt vier Hektar Land, auf denen sie gemeinsam mit ihrem Mann ausschliesslich Reis anbaut. In guten Erntejahren erwirtschaftet sie 400 Säcke Reis mit einer sehr guten Qualität. Ein Sack wiegt 50 Kilogramm. „Nun werden es höchstens 60 Säcke sein" schätzt Estelita. „Wir hatten vier Tage ununterbrochen starken Regen. Unsere Felder waren überschwemmt." Statt vor gelb blühenden Reisfeldern standen sie nun vor braunen, vom Wasser zerstörten, Erntefeldern. Das Wasser stand so hoch, dass Häuser bis zu den Knien unter Wasser standen. Die entmutigt wirkende Frau erzählt, dass sie und ihre Familie über kein anderes Einkommen als die Reisernte verfügen. Durch den Taifun ist die Familie mit CHF 1'997 verschuldet.
Opportunitys Partnerorganisation ASKI setzt alles daran, Menschen wie Estelita Lagmay in ihrer schwierigen Lage zu helfen. Melvin Marasigan ist der Leiter der zuständigen Filiale in Guimba. „Wir helfen den Menschen in dieser notvollen Zeit dadurch, dass wir die fälligen Rückzahlungen der Landwirtschaftskredite bis zur Ernte im nächsten Jahr verschieben. Zudem sorgen wir dafür, dass die Versicherung einen grösseren Teil des Ernteausfalls so schnell wie möglich übernimmt. So hätten sie kaum noch eine Chance. Die Kleinbauern erhalten eine neue finanzielle Starthilfe für Saatgut für den Januar. Mit der nächsten Ernte im Mai soll auf diese Weise die Not überwunden sein."

Die Teilnehmer des Insight-Trips konnten einen sehr realistischen Einblick über den Überlebenskampf der Reisbauern in Calancuasan gewinnen und waren, so Kistler, von dem traurigen Schicksal der ohnehin armen Kleinbauern tief bewegt.