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Eine Erfahrung fürs Leben

Die 16-jährige Gymnasiastin Cécile Kühn hat im April 2010 zusammen mit ihren Eltern einen Opportunity-Insight-Trip nach Ghana unternommen. Lesen Sie den Bericht dieser beeindruckenden Erfahrung hier:

Fotos: Stefan Kühn Photography

"In den Frühlingsferien reiste ich mit meiner Familie und einigen anderen Personen, die das Youth Appreticeship Programme unterstützen, nach Ghana. Wir wollten uns ein Bild vom Land und von den Menschen in Ghana machen.

Als ich mich in den Flieger setzte, dachte ich, dass ich wisse, was auf mich zukommt, dass ich wisse, was ich dort sehen werde. Dieser Aufenthalt hat jedoch jegliche Erwartungen in den Boden gestampft.

FeierObwohl die ganze Woche zum Überlaufen gefüllt war mit atemberaubenden Erlebnissen, gab es zwei Momente die mich ganz besonders prägten. Am ersten Tag hatten wir die Möglichkeit einen Gottesdienst zu besuchen, der von Gefühlen belebt wurde wie kein einziger in der Schweiz.

Die Leute waren in ihre besten Kleider gekleidet, sie tanzten und jubelten und sangen in dieser Kirche mit Wellblechdach. Sie liessen sich überfluten von Liebe und Glück und erzeugten einen Lärm, der fast meine Trommelfelle zum Platzen brachte. Jede einzelne Person in diesem Raum freute sich mit ganzem Herzen über ihren Glauben und die Möglichkeit zu Gott zu beten. Diese Ehrlichkeit und die Tatsache, dass sich diese Leute nicht im Geringsten dafür schämten, jedes einzelne ihrer Gefühle heraus zu lassen, hat mich sehr beeindruckt und berührt.

MädchenAm letzten Tag durften wir ein Mädchen zu Hause besuchen. Sie lebt in einem „blauen" Raum mit einer braunen Matratze am Boden. Auf die kleine blaue Lampe an der Decke ist sie besonders stolz. Auf dem Hof vor ihrem Zimmer fragten wir sie, wo ihre Eltern seien, Thomas übersetzte für uns, dass sie alleine lebe.

Da begann sie ihre Geschichte zu erzählen. Sie erzählt dass sie ihre Mutter nie kennengelernt hat, sie erzählt, dass ihr Vater gestorben ist und sie deshalb bei ihrer Grossmutter aufwuchs und sie erzählt, dass ihre Grossmutter auch gestorben ist. Lange Zeit lebte sie vom Orangenverkauf, jetzt hat sie eine Lehrstelle in einem Kosmetikladen und hat dort ihre einzige Freundin kennengelernt.

Während sie uns das alles beschämt erzählte, verfiel jedes meiner Probleme in Nichtigkeit und ich musste dreimal schlucken, um keine dunklen Tropfen im trockenen Sandboden zu hinterlassen.

In diesen wenigen Tagen, die mir vorkamen wie einige Wochen, erlebte ich so Vieles, sah ich so Schönes, fühlte so Schreckliches, dass ich nicht weiss, wie das alles aufs Papier zu bringen wäre. Auch mit Hilfe aller Sprachen könnte ich nicht beschreiben, was mir diese Reise gebracht hat. Aber eines ist klar: Diese farbige, fröhliche, lebendige, liebende, trauernde, leidende, kämpfende und hoffnungsvolle Welt werde ich nicht vergessen."