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Kreditnehmerinnen des Opportunity/EU-Projekts in Ghana

Rostrot staubt es, als das alte VW-Taxi über die unbefestigten Strassen nach Hemang holpert. Am Wegrand steht ein Taxifahrer und schimpft laut. Sein Auto ist liegen geblieben. Und das passiert auf dieser Strecke nicht selten.

Das Dorf Hemang ist so abgelegen und schwer zu erreichen, dass sich nicht einmal die Geldverleiher die Mühe machen, aus der nächstgrösseren Stadt Prestea nach Hemang zu kommen.

Seit März hat Opportunity International Ghana jedoch angefangen, dort neue Mikrokreditnehmerinnen auszuwählen. Diese Frauen sollen mit Hilfe eines Mikrokredits die Möglichkeit bekommen, ihre Geschäfte nachhaltig zu erweitern. Mit Unterstützung der EU startet Opportunity International dort ein grösseres Mikrofinanzierungs-Projekt.

Bevor den Klientinnen der Kredit ausgezahlt wird, finden sie sich zu Kreditnehmergruppen ("Trustbanks") zusammen und werden im Rahmen eines kreditbegleitenden Trainings auf ihren Mikrokredit vorbereitet.

Diana
Diana Kobina 

Eine der ersten Kreditnehmerinnen in Hemang ist Diana Kobina. Die 52-Jährige ist Mitglied der Trustbank Christ Nti. Diana hat vier Kinder, von denen eines in die Schule geht und drei die Schule bereits abgeschlossen haben. Sie selbst hat nie eine Schule besucht.

Diana verkauft seit 15 Jahren Mais. Weil das Geschäft mit Mais aber nicht immer gleich gut läuft und der Marktpreis oft schwankt, hat sie angefangen, daneben auch Tische, Stühle und Hocker aus Holz zu verkaufen.

Mit dem Opportunity-Kredit will Diana grössere Säcke Mais anschaffen. Bisher kann sie mit ihrem eigenen Geld nur sehr kleine Mengen vom Händler kaufen. „Wenn ich eine grössere Menge kaufe, bekomme ich einen niedrigeren Preis und kann meinen Gewinn vergrössern", erklärt sie.

Wie für die meisten anderen Kreditnehmerinnen, ist für Diana ein Mikrokredit die einzige Chance, ihr Geschäft zu erweitern und somit langfristig besser für ihre Familien zu sorgen.

„Ich habe im Moment nicht genug Geld für viele Dinge, die ich gerne für meine Familie kaufen möchte. Ich möchte nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft für meine Kinder sorgen, indem ich in ihre Ausbildung investiere."

Biyaa Afua wohnt gegenüber und gehört derselben Trustbank an. Die 57-Jährige Witwe hat eine Tochter, die gerade eine Ausbildung zur Näherin macht.

Biyaa verkauft seit 20 Jahren Kenkey (gesäuerte Maisklösse) und hofft nun, mit einem Kleinkredit von Opportunity International in Höhe endlich ihr Geschäft zu vergrössern, mehr Mais zu kaufen, um mehr Kenkey zu herzustellen.

„Mit dem Gewinn will ich besser für mein Kind sorgen", sagt sie. „Wenn ich genug gespart habe, kann ich hoffentlich einmal ein eigenes Geschäft für meine Tochter eröffnen."

Einige Strassen weiter hat Attaa Alana ihr Haus. Die 58-Jährige handelt seit zwei Jahren mit Altkleidern. Wenn sie ihren Opportunity-Kredit ausgezahlt bekommt, will sie mehr Altkleider kaufen und hofft, ihr Geschäft zu vergrössern.

Attaa
Attaa Alana vor ihrem Haus 

„Meine beiden Kinder sollen einmal eine gute Ausbildung bekommen. Ich spare, um Schulgebühren zu bezahlen, Lehrmaterial zu kaufen und sie auch in Zukunft versorgen zu können", sagt Attaa. "Wir alle sind froh, Teil einer Gruppe zu sein und hoffen, dass wir uns in Zukunft gegenseitig helfen können, wenn wir Probleme haben."

Die drei Frauen kennen sich schon lange. Sie sind sich sicher, dass die Kredite ihnen allen helfen werden, ihre Lebenssituation zu verbessern.

Ungefähr sechs Stunden Autofahrt entfernt, in der Stadt Kasoa, leben und arbeiten drei Frauen, die sich in der gleichen Situation befinden - obwohl ihre Lebensumstände ganz anders sind.

Magret Akakpo ist 42 Jahre alt und hat vier Kinder. Abends verkauft sie Eintopf und Reis in einem kleinen Kiosk am Strassenrand. Auch sie wird demnächst das erste Mal in ihrem Leben einen Mikrokredit bekommen.

„Ich brauche den Kredit um Zutaten wie Öl, Tomaten, Bohnen, Fleisch und Fisch zu kaufen. Mit dem, was ich jetzt verdiene, kann ich gerade so meine Familie versorgen, aber ich möchte auch ein wenig Geld für die Zukunft sparen."

Magrets Nachbarin, Charlotte Hammond, handelt mit Eiern. Im Moment kann die 32-Jährige die Eier nur auf Kredit kaufen. „Das ist sehr teuer. Wenn ich die Eier bar bezahlen könnte, würde ich sie zu einen niedrigeren Preis bekommen. Aber dafür habe ich nicht genug Geld." Sie hat sich derselben Trustbank angeschlossen wie Magret und mit dem Kredit aus dem Opportunity/EU-Projekt will sie eine grössere Menge Eier kaufen und gleich bar bezahlen.

Kasoa
Markt in Kasoa 

„Im Moment trägt mein Mann, der einen schlecht bezahlten Job in Tamale hat, die Hauptlast. Aber wenn ich mein Geschäft erweitern kann, werden wir besser für unsere beiden Kinder sorgen. Ich konnte selbst nicht so lange zur Schule gehen, weil meine Eltern nicht genug Geld dafür hatten. Aber ich will meinen Kindern später alle Möglichkeiten geben, eine gute Ausbildung zu bekommen."

Am anderen Ende der Stadt führt Ahyishatu Ibrahim einen kleinen Laden, in dem sie Getränke und Haushaltsgüter verkauft. Auch sie will ihr Geschäft erweitern und hat sich deshalb der Trustbank Ahombrase angeschlossen. Bald bekommt auch sie ihren Opportunity-Mikrokredit ausbezahlt.

„Das Geschäft läuft gut, aber ich brauche mehr Geld, um neue Waren anbieten zu können", sagt sie. Auch Ahyishatu hat eine kleine Familie zu versorgen. „Ich will mit meinem Laden jetzt mehr Geld verdienen, so dass ich meinem Kind eine Ausbildung ermöglichen kann, denn unsere Kinder sind unsere Zukunft."