Die schönsten Opportunity-Klientengeschichten
Catarina Manejo aus Mosambik
Text: Luise Richard
Dank Catarina Manejo bekommen 296 Waisen die Chance auf ein gutes Leben und eine gute Ausbildung. Sie kann helfen, weil sie über Mikrokredite die wirtschaftliche Grundlage dafür sichert.
Gondola heisst die kleine Stadt in Mosambik, in der Catarina Manejo lebt. Die 46-jährige lebt dort mit Mann und Kindern, unterstützt von ihren Helfern auf einer kleinen Hühnerfarm, dicht umgeben von anderen Häusern. Genau genommen sind es 20 Kinder, die bei ihr wohnen, andere sind in Pflegefamilien untergebracht. Insgesamt 296 Kinder hat Catarina in ihre Obhut genommen. Sie betreut und begleitet sie und versorgt sie mit Nahrungsmitteln.
Es sind Waisen, die ihre Eltern durch HIV verloren haben oder die auf der Strasse lebten. Kinder, für die sonst niemand sorgen würde, wenn nicht Catarina Manejo sich um sie kümmern würde. Sie kennt sie alle mit Namen. Den 12jährigen Antonio zum Beispiel, dessen Eltern und vier Geschwister an AIDS gestorben sind und dessen Grossmutter ihn jetzt als Pflegemutter versorgt. Weil ihr die Aufgabe über den Kopf wuchs und sie von Catarina erfahren hat, ging sie zu ihr mit der Bitte um Unterstützung. Catarina gibt nun Essen und Kleidung und schickt von Zeit zu Zeit einen ihrer Mitarbeiter vorbei, um zu schauen, wie es Antonio geht.
Oder Vicente (11) und Sofia (7), die bei Catarina leben. Von der ehemals sechsköpfigen Familie sind nur noch die beiden übrig. Die Kinder reden meist sehr wenig über die Vergangenheit, und manche von ihnen sind oft verstört. Catarina versucht, ihnen Trost zu geben und sie von ihrem Leid abzulenken. Doch das gelingt nicht immer.
Als Abgeordnete der Kommune und Ortsvorsteherin von einer der acht städtischen Bezirke Gondolas kam sie mit der Not der Strassenkinder und Waisen in Kontakt. Und weil sie es nicht fertigbrachte, die Hilfesuchenden wegzuschicken, nahmen sie und ihr Mann Jaieme Paulino (50), ein Polizist, eins nach dem anderen selbst auf. Die drei eigenen Kinder sind bereits erwachsen und verheiratet oder studieren.
2003 begann sie die Arbeit mit den Waisenkindern. Ihr Engagement sprach sich schnell herum, so wurden es immer mehr Kinder, die versorgt werden mussten. Weil nicht alle bei ihr unterkommen können, sucht sie in der Familie und Nachbarschaft Pflegefamilien. Die meisten, die sie fragt, sagen zu: Manche nehmen sogar zwei oder drei Kinder in Pflege. Catarina unterstützt sie mit der Lieferung von Essen, indem sie über das Welternährungprogramm Mais bezieht und selbst Bohnen beisteuert.
Die Hühnerfarm und der Verkauf von Stoff, den Catarina Manejo von riesigen Ballen fertig zuschneidet, sollen die wirtschaftliche Basis für die Arbeit mit den Waisen sichern. Mit ihrem ersten Mikrokredit von Opportunity International in Höhe von 2000 MTn (Meticais, das sind rund 98.45 CHF), den sie in einer Gruppe erhielt, finanzierte sie den Kauf von Stoffballen.
Weil sie zuverlässig zurückzahlte, bekam sie 2006
ihren zweiten Kredit (4000 MTn) für den Ausbau des Hühnerstalles und
den Kauf von Küken, die sie mästete und mit Gewinn verkaufen konnte.
Das Geld des dritten Kredits (8000 MTn) steckte sie 2007 erneut in die
Hühnerfarm, kaufte Tiere und Futter.
Weil die Preise für Mais,
Reis, Öl oder Bohnen innerhalb eines Jahres sprunghaft gestiegen sind,
reichte zuletzt das Geld trotz allem nicht, um erneut Mastküken zu
kaufen. So blieb der Stall leer, weil an erster Stelle die Kinder zu
versorgen waren. Und manchmal ist auch dafür nicht genug da. Dann muss
eine Mahlzeit kleiner ausfallen und Catarina Manejo weint, weil die
Kinder hungrig bleiben.
Doch sie lässt sich nicht so leicht entmutigen: Die Kinder gehen bis auf vier kleine sämtlich zur Schule. Die grösseren Jungen und Mädchen helfen auf der Farm oder auch im Haus. Geschlafen wird in zwei grossen Räumen auf Matten auf dem Boden. Nachts wachen eigens eingestellte Wächter darüber, dass den Kindern nichts passiert.
Insgesamt 20 Mitarbeiter - ihre eigenen Geschwister sind ebenfalls voll dabei - helfen Catarina auf der Farm und beim Versorgen der Kinder. Catarinas Zukunftstraum ist es, ein grösseres Haus auf dem Land zu haben, in das sie noch mehr Kinder aufnehmen kann. Die Hühnerfarm, wenn sie denn erweitert werden könnte, böte genug Potenzial, um davon Lebensmittel und Kleidung zu kaufen. Dafür braucht sie dann den nächsten Kredit von Opportunity International.
Ronica aus Sambia
Ronica Zikkabwele arbeitet hart, denn sie klopft Steine. Jeden Tag macht sich die 35-jährige Mutter mit den zwei Kleinsten ihrer sechs Kinder auf den Weg zur Arbeit in ein Baugebiet am Stadtrand von Lusaka in Sambia.
Die Steine werden direkt vor den Baustellen abgeladen und die Steineklopfer können an die Arbeit gehen. Für eine Schubkarrenladung braucht Ronica vier Tage. Sie hat ein monatliches Einkommen von etwa 151.363 CHF.
Währenddessen sitzen die beiden jüngsten Kinder zwischen den arbeitenden Menschen und den Steinen. Ronicas vier schulpflichtige Kinder sind tagsüber in der Schule einer Hilfsorganisation untergebracht.
Und Ronica ist zufrieden! Früher war sie Müllsammlerin. Sie ist durch die Strassen gezogen, hat Plastikflaschen gesammelt und diese dann gereinigt dem Händler zurückgebracht. Sie musste in den Abfällen wühlen und die Gefahr der Infektion mit Krankheiten war hoch.
Heute ist Ronica selbstständig. Ein Kleinkredit von Opportunity International hat ihr letztes Jahr diesen Schritt aus der Abhängigkeit möglich gemacht. Nun muss sie wenigstens nicht mehr ständig unterwegs sein und hat ihre Jüngsten bei sich. Doch bei dieser Art von Arbeit gibt es häufig kleine Unfälle, wenn sie sich mit dem schweren Eisenhammer verletzt.
Ronica hat noch einen Traum: Wenn sie genug Geld erwirtschaftet hat, will sie eine Schneiderei aufmachen - möglichst zu Hause, um besser für ihre Kinder sorgen zu können.
Regina aus Mosambik
Regina (56) lebt in den Slums von Maputo in Mosambik. Sie wurde vor einigen Jahren von ihrem Mann verlassen. Sie und ihre sechs Kinder blieben mittellos zurück.
Durch einen Kleinkredit von Opportunity International Mozambique ist Regina nun in der Lage, einen kleinen Verkaufsstand für Gemüse und Lebensmittel aus der Region zu betreiben.
Regina geht einmal wöchentlich zum Treffen „ihrer" Trustbank, also zu der Gruppe von Kreditnehmern, der sie angehört. Dort nimmt sie an Trainings zu Themen wie Unternehmensführung und Gesundheit teil und diskutiert mit den anderen Mitgliedern über Familienthemen und die Aids-Problematik. In dieser Gemeinschaft fühlt sich Regina sehr wohl. Selbst wenn es einmal nicht so gut läuft, wird sie hier nicht allein gelassen.
Die Kinder wohnen zurzeit bei ihrer Schwester. Regina selbst lebt in einer einfachen Blechhütte neben ihrer „Baustelle", den Grundmauern ihres eigenen Hauses. Doch sie arbeitet mit unerschöpflicher Energie daran, wieder mit ihrer Familie unter einem Dach leben zu können.
Setiani aus Indonesien
Setiani und ihr ältester Sohn sammeln und recyceln Müll, damit Ricky die Schule besuchen kann. Als ihr Mann vor einem Jahr an Diabetes starb, stand Retiani (45) gemeinsam mit ihren beiden Söhnen Ricky (12) und Christian (16) vor grossen Problemen: „Plötzlich fehlte der Ernährer der Familie. Doch zusammen kämpfen wir gegen das schwere Los!"
Ricky ist sehr begabt, doch die Jahre, in denen er in Indonesien kostenlos zur Schule gehen konnte, sind vorbei. Deswegen musste Setiani sich etwas einfallen lassen, um das Schulgeld bezahlen zu können. Zusammen mit ihrem ältesten Sohn Christian sammelt und recycelt sie nun Müll. Auch Christian steht für seinen jüngeren Bruder ein: „Ich arbeite gern, damit Ricky eine ordentliche Ausbildung bekommen kann."
Mit Hilfe eines Kleinkredits von Opportunity International, der nur rund 75.73 CHF betrug, kauft Setiani jeden Tag 100 Kilo Plastikmüll, um ihn dann zu sortieren. Den sortierten Müll kann sie danach mit einem kleinen Gewinn weiterverkaufen. Ohne diesen Kredit hätte Setiani nicht genug Geld, um den Müll einkaufen zu können.
Ihr Leben hat dadurch wieder eine Perspektive bekommen, da Ricky jetzt einen guten Schulabschluss machen und später mit einer besseren Arbeit für die Familie sorgen kann. Es bleiben Setiani rund 2.27 CHF pro Tag, davon bezahlt sie 0.75 CHF für die Miete ihrer Wohnung und 0.60 CHF für Nahrungsmittel.
Setiani ist keine reiche Frau, aber sie hat ihr Schicksal in die Hand genommen und eine Heimat in ihrer Opportunity-Trustbank-Gruppe gefunden. Wenn man Ricky fragt, was er werden möchte, antwortet er wie alle anderen Jungen seines Alters: „Polizist". Aber er ist ein exzellenter Schüler, besonders in Sprachen und Naturwissenschaften.
So schafft ein kleiner Kredit eine Zukunftsperspektive für eine ganze Familie.
Melania aus der Dominikanischen Republik
Melania (42) lebt in den Slums von Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Sie selber hat keine Familie und doch sorgt sie im Moment für 22 Kinder: Melania hat es sich zur Aufgabe gemacht, Waisen und Strassenkindern ein Zuhause zu geben.
Seit 1985 hat sie bereits rund 200 Kindern im Alter von 2 bis 16 Jahren einen Zufluchtsort geboten. Viele Eltern geben Kinder dort hin, weil sie zu krank oder zu arm sind, um für sie aufzukommen.
Auch verlassene Kinder, die auf der Strasse leben, finden bei ihr ein neues Zuhause. Viele Mütter und Väter in den Slums sind alkohol- oder drogenabhängig; die Kinder leiden unter Gewalt und Missbrauch. Deswegen sind die meisten auch schwer traumatisiert und bedürfen der besonderen Zuwendung.
Da ist zum Beispiel der schüchterne Moses (8): Seine Mutter war AIDS-krank und starb bei der Geburt. Er wurde 20 Tage später von seinem Vater bei Melania abgegeben. Moses sah seinen Vater nie wieder.
Oder die verspielte Juana Rosa (11): Ihre Mutter lebte in einem Auffanglager für Flüchtlinge aus Haiti. Juana Rosa war in einem sehr schlechten Zustand als sie mit 8 Monaten im „Waisenhaus" abgegeben wurde, denn ihre Mutter konnte im Flüchtlingslager, in dem sie immernoch lebt, nicht ordentlich für sie sorgen.
Bereits mit 18 Jahren war Melania sich ihrer Berufung sicher: „Damals habe ich miterlebt, wie ein todkrankes Mädchen zum Sterben vom Krankenhaus nach Hause gebracht werden musste. Das Mädchen war in einem sehr schlechten Zustand und wurde von seinen Eltern aufgegeben." Sie und ihre Verwandten nahmen das Mädchen bei sich auf, sie beteten für sie und gaben ihr Öl zu trinken. Allmählich ging es dem Kind besser und sie wurde tatsächlich gesund.
„Ich habe erfahren, wie ich Menschen helfen kann. Das war der Startpunkt meiner Arbeit; diese Motivation trägt mich bis heute", erzählt Melania mit leuchtenden Augen. „Dies ist meine Familie. Auch wenn es manchmal hart ist - ich bereue meinen Entschluss keine Sekunde!"
Melania bringt den Kindern im Nachmittags-Unterricht Manieren und Verantwortungsbewusstsein bei. Der Pastor ihrer Gemeinde und frühere Schützlinge helfen ihr bei ihren vielfältigen Aufgaben.
Vor 10 Jahren bekam Melania den ersten Kredit von Opportunity International. Sie errichtete mit dem Geld einen kleinen Kiosk, wo sie und ihre Helferinnen Lebensmittel und Süssigkeiten verkaufen. Ausserdem hat sie noch einen kleinen Laden für den Verkauf von Gebrauchtwaren. Seitdem hat Melania bereits sechs Kreditzyklen durchlaufen. Mit dem Geld hat sie ihre Geschäfte vergrössert und mit dem Gewinn daraus mehr Räume für die Kinder dazugemietet.
Melania hat noch einen Traum: Sie möchte gern ein weiteres Gebäude anmieten, denn sie braucht mehr Platz für ihre Schützlinge: „Es gibt noch so viel zu tun! Viele Kinder werden einfach verlassen oder laufen von ihren gewalttätigen Eltern weg. Auf der Strasse sehen sie oftmals keinen anderen Ausweg als Kriminalität oder Prostitution. Jemand muss ihnen helfen!"








