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Als Opportunity International es mit Brüssel zu tun bekam

Am Anfang war die Hoffnung

Im Oktober 2005 machten sich die Opportunity-Mitarbeiter Gedanken, mit welchen Mitteln wir - ausser privaten Spenden - noch mehr Menschen aus der Armut verhelfen könnten. Trotz der erfahrungsgemäss hohen Ablehnungsquote entschieden wir uns für den Versuch, EU-Gelder zu akquirieren.
Mit nur einem Projekt in Höhe einer halben Million Euro könnten wir auf einen Schlag über tausend Frauen aus der Armut helfen. Das war für uns Ansporn genug!

Einmal jährlich können sich gemeinnützige Organisationen in Brüssel für Mittel der europäischen Kommission bewerben, um Entwicklungshilfeprojekte zu unterstützen.
Solch ein Vergabeverfahren verläuft nach EU-Richtlinien, die es erst einmal heisst zu verstehen. Sollte man schon kein Fan der deutschen Bürokratie sein, wird man die EU und ihre Bestimmungen bestimmt erst recht nicht mögen. Wir entschieden uns für ein Projekt in Ghana, denn mit unserem Partner „Sinapi Aba Trust" haben wir bereits in den letzten Jahren erfolgreich Projekte verwirklicht.

Dann kam die Unterstützung

Für die Bearbeitung des ersten Antrags bekam ich glücklicherweise Unterstützung vom Bielefelder Welthaus, einer Organisation, deren Hauptaufgabe die entwicklungspolitische Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit in Deutschland ist, die aber auch schon erfolgreich Auslandsprojekte mit der EU umgesetzt hatte. Mit Hilfe des Kollegen Christian Walger erarbeiteten wir uns die Schritte zu einer aussichtsreichen „Concept Note", dem ersten Bewerbungsschritt. Hierbei ging es erst einmal um eine kurze Darstellung des Projekts und natürlich dessen Wichtigkeit und Relevanz.
Nach zahlreichen Mails, Fragen, Antworten und erneuten Fragen stand die erste Version unseres Projektantrages und wurde in einer Nacht- und Nebelaktion im Januar mit dem Nachtexpress nach Brüssel gebracht. Nun hiess es warten. Grosse Erwartungen hatten wir allerdings nicht, hatten wir doch gehört, dass nur etwa 10 Prozent aller „Concept Notes" überhaupt angenommen würden.

Erste Freude

Umso erstaunlicher war es deshalb, dass dieser Antrag, noch dazu der allererste in der Geschichte von Opportunity International, Anfang März angenommen wurde. Trotz grosser Freude überwog die Aufregung, denn das richtige Antragsverfahren begann erst jetzt: ein vollständiger Projektantrag musste innerhalb von acht Wochen in Brüssel vorliegen.
Das hiess: Aufstellung sämtlicher bisher verwirklichter Projekte, Spendeneinnahmen und -ausgaben, Personalaufwand, Erfahrungen in der Projektarbeit sowohl von uns als auch von unserem Partner, genaue Kostenaufstellung sämtlicher Posten (vom Drucker bis Fahrtkosten), Ziel und erwartete Resultate usw.
Dieser Herausforderung mussten nicht nur wir in Deutschland uns stellen, sondern natürlich auch unser ghanaischer Partner, der sich mit europäischer Bürokratie weder auskannte, noch sie verstand.
Nach noch mehr Frage- und Antwortmails, ungeduldigen Erklärungen und weiteren Fragen stand der komplette Antrag Mitte Mai. Christian und ich befanden uns kurz vor einem Nervenzusammenbruch.

Ein Trauerfall

Eine Hiobsbotschaft sollte uns allerdings kurze Zeit später ereilen: Christian Walger verstarb in Mosambik. Von diesem Verlust hat sich das Welthaus bis heute nicht erholt, und auch mir steigen Tränen in die Augen, wenn ich an ihn denke. Christian war auch für mich in der kurzen Zeit ein Freund geworden, der nie die Geduld verlor, weder mit meiner Unerfahrenheit noch der bisweilen unzuverlässigen Art unserer ghanaischen Partner bezüglich vollständiger Antworten.
Als am 1. August der positive Bescheid der europäischen Kommission für unseren Projektantrag kam, kam ich nicht drum herum, Christian wo auch immer er ist, dafür zu danken. Ohne seine Hilfe hätten wir es wohl nicht geschafft und dafür werden wir ihm immer dankbar sein.

Das glückliche Ende

Nun war ich auf mich allein gestellt. Der positive Bescheid aus Brüssel war zwar da, aber ein positiver Antragsbescheid aus Brüssel hiess noch lange nicht, dass auch die europäische Delegation in Ghana mit dem Projekt zufrieden war.
Erneut kamen Rückfragen und um weitere Antworten wurde gebeten. Nach einem Telefongespräch und mehreren Emails mit dem zuständigen und sehr hilfsbereiten Sachbearbeiter konnten wir aber auch hier die letzten offenen Fragen klären. Kurz vor Weihnachten hielten wir dann nach „nur" 14 Monaten Arbeit den endgültigen Vertrag in den Händen und im Januar erhielten wir die erste Rate des insgesamt 458'118 Euro  (692'308 CHF) umfassenden Projektes und im Februar konnten wir endlich mit der Arbeit beginnen.

Wenn Sie wissen möchten, wie es mir bei der Betreuung des Projekts in Ghana erging, lesen Sie meinen Reisebericht.