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„Glimpflich davongekommen..."

Charles Nsenga, 45 Jahre, stammt aus Ruanda und hat Wirtschaftsinformatik an der Universität Paderborn studiert. Seit 1996 lebt er in Bielefeld und arbeitet als selbständiger Unternehmensberater und technischer Übersetzer. Er engagiert sich ehrenamtlich für Opportunity International Deutschland.

Inwieweit war Ihre Familie vom Völkermord betroffen?

Als es losging, waren meine Eltern und ich im Nachbarland Uganda. In Ruanda lebten meine Oma, zwei Tanten und sechs Cousins. Verglichen mit anderen - wenn man das überhaupt kann - ist meine Grossfamilie glimpflich davon gekommen. Meine achtzig jährige Grossmutter wurde von Nachbarn, mit denen sie bis dahin friedlich gelebt hatte, ermordet. Ein Paar Jahre zuvor kam mein Onkel in einem mysteriösen Verkehrsunfall ums leben. Schon damals vermutete man eine schleichende „ethnische Säuberung". Meine zwei Brüder sind im Befreiungskampf für ihr Land gefallen. Alle anderen Verwandten leben noch heute.

Warum engagieren Sie sich für Opportunity International?

Opportunity International verfolgt meines Erachtens nach den effektivsten Ansatz der Armutsbekämpfung: die Mikrofinanzarbeit. Auf diese Art und Weise wird Hilfsbedürftigen in den „armen Ländern" nachhaltig geholfen, ohne sie zu Empfängern von Almosen zu degradieren.

Welche Themen halten Sie dabei für besonders wichtig?

Die durch Kleinkredite verbesserten Lebensverhältnisse werden lokale politische Entscheidungen massgebend beeinflusst. Um beispielsweise Produkte effizienter absetzen zu können, werden die Menschen eine bessere Infrastruktur von ihren Regierungen verlangen.

Welches Land interessiert Sie besonders?

Als ein in Uganda geborener und aufgewachsener Ruander ist mein Interesse für Ost- und Zentralafrika nicht verwunderlich. Die Region ist reich an zahlreichen Ressourcen: Würde nun noch sozialpolitische Stabilität hinzukommen, könnte sich die Region innerhalb weniger Jahre zu einer Gemeinschaft der „afrikanischen Tigerstaaten" entwickeln.

Welches politische Thema liegt Ihnen am Herzen?

Ich denke, dass eine nachhaltige Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den Entwicklungsländern nur erreicht werden kann, wenn einerseits intern Bildung breiten Bevölkerungsschichten zugänglich gemacht wird und andererseits auf globaler Ebene endlich faire „Terms of Trade" für den internationalen Handel umgesetzt werden.