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Touristen und Müllsammlerinnen

Reisegruppe Bali
Simone Nafziger (3. v. r. unten) mit ihrer Reisegruppe und
den einheimischen Mitarbeitern von Opportunity auf Bali

Wer heute Bali hört, denkt zuerst an Wellnessurlaubsparadies. Genau das war es auch bei unserer Ankunft. Sonnenschein ohne Ende, Sandstrand mit Liegen und Sonnenschirmen, an dem sich ein malerisches und gemütliches Hotel an das andere reihte.

Man konnte kaum am Wasser entlang laufen, ohne dass einem von einem Dutzend freundlichen Balinesen Maniküren und Massagen angeboten wurden.

Kaum ein Tourist sieht oder interessiert sich für mehr, wenn er auf die indonesische Insel kommt. Uns wurde jedoch ein ganz anderes Bali gezeigt. Müllsammlerinnen, Korbflechter, Schweine- und Rinderzüchter und Bauern. Menschen, die weit ab von Touristen und den damit verbundenen besseren Verdienstmöglichkeiten leben.

Die erste und für mich eine der beeindruckensten Trustbank Gruppen die wir besuchten, waren 20 Müllsammlerinnen. Sie empfingen uns scheu, aber auch neugierig und stolz und waren offensichtlich erstaunt und gleichzeitig begeistert, dass eine Gruppe von neun Deutschen sie besuchen kam, sich für ihre Arbeit interessierte und wie sie mit Krediten aus deutschen Spendengeldern umgingen.

Stolz erzählten sie uns, dass sie nun ihr Geschäftsfeld vergrössern, besser für ihre Familien sorgen und ihre Kinder zur Schule schicken konnten. Es war zugleich auch die ärmste Trustbank, die mit ihren Familien, ebenfalls Müllsammlern, in winzigen Zimmern aus Strohmatten und Holz mit Wellblechdächern wohnten.

Ein weiteres Highlight war unsere Teilnahme an der feierlichen Neugründung einer weiteren Trustbank. Wir wurden zunächst durch die malerische balinesische Reisterassenlandschaft gefahren. Während wir zunächst vielen Touristen auf ihren Besichtigungstouren begegneten, liessen wir diese schnell hinter uns und kamen schliesslich in einem abgelegenen Urwaldgebiet an.

Trustbank BaliDort wurden wir feierlich empfangen, zum Festessen eingeladen und es war unbeschreiblich, zu sehen, wie die Frauen ihre Verträge unterschrieben und mit Tränen in den Augen und voller Hoffnung auf ihre Zukunft das Geld von uns überreicht bekamen.

Nun können Sie sich zwei Ferkel und entsprechendes Kraftfutter kaufen. Wenn die Schweine in einem halben Jahr gemästet sind, reicht der Verkaufserlös zum Ablösen des Kredites und für Ausgaben der Familie wie z.B. Schulgeld oder neue Kleidung.

Es gibt viele weitere Geschichten von unseren Begegnungen mit den Kreditnehmern der Opportunity-Partnerorganisation auf Bali, DINARI. Alles in allem war es eine unglaubliche Reise. Die Wirkungsweise der Spendengelder zu sehen und die Klienten und Mitarbeiter von DINARI, deren Leben die Gelder aus Deutschland verändern, zu treffen, hat viel zum Verständnis des Landes und seiner Probleme beigetragen. Wir wurden mit der grössten Gastfreundschaft empfangen und in die balinesische Kultur eingeführt. So war unser Besuch weit mehr als nur ein Urlaub.